Rheinmetall liefert 274 CT-025-Türme mit Oerlikon KBA 25 für das Bundeswehr-Spähfahrzeug Luchs 2
Im Februar 2026 hat General Dynamics European Land Systems (GDELS) den Vertrag mit Rheinmetall für die Lieferung von 274 modularen CT-025-Türmen, der 25-mm-Maschinenkanone Oerlikon KBA 25 und zugehörigen Simulationssystemen für das zukünftige Spähfahrzeug Luchs 2 unterzeichnet. Der Auftrag, der bis 2031 ausgeführt wird, stärkt die Aufklärungs- und Kampffähigkeit der Bundeswehr und unterstreicht die wachsende europäische Rüstungskooperation.
Umfang und Bedeutung des Auftrags
Der größte Teil des Luchs-2-Auftragspakets wird von Rheinmetall Electronics GmbH in Bremen erbracht. Bis 2031 sollen CT-025-Türme geliefert werden – der erste Großauftrag für dieses unbemannte, modulare Turmsystem. Der Vertrag hat einen mittleren dreistelligen Millionenwert und gilt als Schlüsselprojekt für die digitale Gefechtsführung der deutschen Heeresaufklärung.
„Wir sind dankbar für das Vertrauen seitens GDELS und der Bundeswehr in unsere Produkte und Fähigkeiten“, sagte Timo Haas, Leiter der Division Digital Systems. „Das Luchs 2-Auftragspaket ist ein bedeutender Erfolg für den Standort Bremen sowie unsere Kolleginnen und Kollegen in Rom.“
Technische Spezifikationen des CT-025-Turms
Der CT-025-Turm ist ein unbemanntes, modulares System, das für den Einbau in das Luchs 2-Fahrzeug optimiert wurde. Zu den Kernmerkmalen gehören:
- GVA/NGVA-kompatible Schnittstellen für vernetzte Gefechtsführung
- Stabilisierte Sensorik für präzise Bekämpfung von Boden- und Luftzielen, inklusive Drohnen (UAVs)
- Inertiale Waffenstabilisierung, Ballistikrechner und digitale Feuerleitanlage
- Optimiertes Höhenprofil für Lufttransport (LuWa)
- Öffne modulare Framework-Integration in die Rheinmetall Battlesuite für OTA-Upgrades
Die Feuerleitanlage ermöglicht Zielerfassung und -verfolgung während der Bewegung, während die Turmluke zusätzlichen ballistischen Schutz beim Führen über die Luke bietet.
Produktionsgeschichte und Leistungsdaten der Oerlikon KBA 25
Die Oerlikon KBA 25 ist Rheinmetalls meistproduzierte 25 × 137-mm-NATO-Waffe. Sie wird in Rom von Rheinmetall Italia S.p.A. gefertigt und hat bis 2026 mehr als 6 000 Einheiten erreicht. Die wichtigsten Merkmale im Überblick:
- Geringer Rückstoß – ermöglicht Einbau in Plattformen von leichten 4×4-Aufklärungsfahrzeugen bis zu schweren Kettenpanzern
- Reichweite bis 2 500 m (effektiv gegen Boden- und Luftziele)
- Maximale Feuerrate 600 Schuss/min im Feuerstoß-Modus
- Drei Feuermodi: Einzelschuss, schnelles Einzelfeuer (175 Schuss/min) und Feuerstoß (600 Schuss/min)
- Doppelgurt-Zuführung – Wechsel zwischen Standard- und Annäherungszünder-Munition für Drohnenabwehr
Die hohe Feuerrate und die Möglichkeit, 25-mm-Annäherungszünder-Munition zu verwenden, machen die KBA 25 zu einer vielseitigen Mehrzweckwaffe, die sowohl gegen gepanzerte Ziele als auch gegen unbemannte Luftsysteme wirksam ist.
Modulare Integration und digitale Battlesuite
Der CT-025-Turm ist Teil der Rheinmetall Battlesuite – einem digitalen „Capability Store“, der KI-gestützte Zielverfolgung und softwarebasierte Funktionsupgrades ermöglicht, ohne dass Hardware ausgetauscht werden muss. OTA-Updates (Over-The-Air) können schnell implementiert werden, wodurch die Plattform flexibel auf neue Bedrohungen reagieren kann.
Die Kombination aus modularer Hardware und digitaler Software schafft Synergien für die Bundeswehr-Logistik: ein einheitlicher Wartungs- und Ausbildungspfad für alle Luchs 2-Einheiten.
Anzeige*
Simulationstechnologie für die Ausbildung
Parallel zur Beschaffung der Turmsysteme hat GDELS Rheinmetall mit der Entwicklung von sechs Ausbildungsgeräten für den Fahrzeuggebundenen Spähtrupp (AGFS) beauftragt. Diese hochrealistischen Gefechtssimulatoren sollen ab Mitte 2028 ausgeliefert werden und das Prinzip „Train as you fight“ umsetzen. Weitere Merkmale:
- Vernetzung mit anderen AGFS-Einheiten und kompatiblen Simulationssystemen
- Nachbildung von Fahrzeuglogik, Sensorik und Ballistik
- Einsatz von laserbasierten Trainingsgeräten (AGDUS) für Schieß- und Großübungen
Die Simulationsplattformen basieren auf den bewährten Technologien, die bereits für die Schützenpanzer-Programme Puma, Lynx und Schakal entwickelt wurden.
Risiken und Gegenmaßnahmen
Obwohl das Projekt erhebliche Vorteile bietet, gibt es potenzielle Schwachstellen:
- Lieferkettenabhängigkeit: Die KBA 25 wird von Rheinmetall Italia in Rom produziert. Engpässe bei diesem Zulieferer könnten die Lieferzeiten verzögern.
- Cyber-Sicherheitsrisiken: Modulare Software-Upgrades per OTA erhöhen das Angriffspotenzial durch Hacking. Entsprechende Sicherheitsarchitekturen und regelmäßige Pen-Tests sind erforderlich.
Diese Punkte werden in den Risikomanagement-Plänen der Bundeswehr berücksichtigt, um die Einsatzbereitschaft nicht zu gefährden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der CT-025-Turm?
Ein unbemanntes, modulares Turmsystem mit einer 25-mm-KBA-Kanone, optimiert für Drohnenabwehr und Bewegungsziele.
Wie viele Türme liefert Rheinmetall?
274 CT-025-Türme bis 2031 aus Bremen – der erste Großauftrag für diese Plattform.
Welche Feuermodi hat die Oerlikon KBA 25?
Einzelschuss, schnelles Einzelfeuer (175 Schuss/min) und Feuerstoß (600 Schuss/min) mit Doppelgurt-Zuführung.
Fazit
Der Auftrag von Rheinmetall für 274 CT-025-Türme und die Oerlikon KBA 25 stellt einen bedeutenden Schritt für die Modernisierung der deutschen Heeresaufklärung dar. Durch die Kombination aus bewährter Mittelkaliber-Waffentechnologie, modularer Systemarchitektur und digitaler Battlesuite wird das Luchs 2 zu einer hochflexiblen Plattform, die sowohl aktuelle als auch zukünftige Bedrohungen adressieren kann. Gleichzeitig verdeutlichen die identifizierten Risiken – Lieferkettenabhängigkeit und Cyber-Sicherheit – die Notwendigkeit eines robusten Risikomanagements. Insgesamt stärkt das Projekt die operative Leistungsfähigkeit der Bundeswehr und fördert die europäische Rüstungskooperation.
