WB Group liefert Warmate 30: 250 km Jet-Loitering-Munition
Die polnische Rüstungsfirma WB Group hat die Warmate 30, auch als Gladius 2 bezeichnet, offiziell vorgestellt. Die neue Loitering-Munition kombiniert einen Turbojet-Antrieb mit einer strahlgetriebenen Flugzeugzelle und ermöglicht präzise Tiefenschläge bis zu einer Reichweite von über 250 km. Damit schließt sie die Lücke zwischen kleineren elektrischen Kamikaze-Drohnen und teuren Marschflugkörpern und erweitert das operative Arsenal der polnischen Streitkräfte erheblich.
Technische Daten und Leistungsfähigkeit
- Maximales Abfluggewicht (MTOW): 100 kg
- Gefechtskopfgewicht: 30 kg
- Einsatzreichweite: > 250 km
- Höchstgeschwindigkeit: 450 km/h (Turbojet)
- Marschgeschwindigkeit: > 150 km/h
- Einsatzbereitschaftszeit: 5 Minuten von der Startposition bis zum Flug
Der Jet-Antrieb sorgt für die hohe Geschwindigkeit von 450 km/h, während die Flugzeugzelle aus Verbundwerkstoffen die Radarsignatur und Infrarotemissionen reduziert. Der Start erfolgt über einen Raketenbooster, der die Drohne schnell in die Marschphase überführt.
Integration in das Gladius-Erkundungs- und Schlag-System
Warmate 30 ist nicht als Einzelgerät konzipiert, sondern als Teil des Gladius-Ökosystems. Sie arbeitet Hand-in-Hand mit der Aufklärungsdrohne FT-5 Łoś und dem Topaz-Führungssystem, sodass Sensor-zu-Shooter-Ketten bis zu 250 km gestreckt werden können.
Auftragsvergabe und Einsatzstruktur in der polnischen Artillerie
Im Mai 2026 unterzeichnete die polnische Rüstungsagentur einen Vertrag über zwölf weitere Gladius-Feuermodule. Die ersten Tranchen sollen ab 2028 ausgeliefert werden. Bislang wurden bereits vier Gladius-Feuermodule ausgeliefert, wie Vize-Generalkommandeur Generalleutnant Sławomir Owczarek im Juni 2026 bestätigte.
„Die Warmate 30 ergänzt die bereits eingeführten Gladius-Batteriemodule und stärkt die operative Tiefe unserer Artilleriebrigaden“, sagte Owczarek.
Elektronische Kampfführung ohne GPS – KI-gestützte Zielansteuerung
Das System nutzt flugzeuggestützte Algorithmen für künstliche Intelligenz und Wegpunktnavigation. Auch bei starkem GPS-Spoofing oder Jamming bleibt die Drohne einsatzfähig, weil sie vorprogrammierte Wegpunkte mit Trägheitsnavigation und bordinterner Bildauswertung kombiniert.
Die Vorflugzeit beträgt weniger als fünf Minuten, wodurch die Reaktionszeit auf sich schnell ändernde Gefechtssituationen stark verkürzt wird.
Inländischer Turbojet-Antrieb und autarke Produktion
Im Unterschied zu früheren propellergetriebenen Warmate-Varianten verwendet Warmate 30 ein von WB Group in Polen selbst entwickeltes Kleinstrahltriebwerk. Die Serienproduktion des Turbojets startete 2026 und reduziert die Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten.
„Seit letztem Jahr wurden die ersten Warmate 30-Prototypen produziert und befinden sich in der Testphase. Die Serie wird bald in die Massenproduktion gehen“, erklärte Piotr Wojciechowski, CEO der WB Group.
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Vorteile gegenüber bisherigen Loitering-Munition-Varianten
- Deutlich höhere Reichweite (bis zu 250 km) im Vergleich zu elektrischen Kamikaze-Drohnen.
- Schnelle Einsatzbereitschaft von fünf Minuten ermöglicht rasche Reaktion.
- Jet-Antrieb liefert höhere Geschwindigkeit und größere Nutzlast (30 kg Gefechtskopf).
- Integration in das Gladius-System stärkt die Vernetzung von Aufklärung und Schlagkraft.
- Inländische Fertigung erhöht die strategische Souveränität Polens.
Gegenüber diesen Stärken stehen jedoch Risiken: Der Turbojet ist kostenintensiver und erzeugt mehr Infrarotstrahlung, was die Anfälligkeit gegenüber MANPADS erhöhen kann. Zudem werden einige Schlüsselfunktionen nicht uneingeschränkt für den Export verfügbar sein.
Schnellüberblick:
Ersetzt die Warmate 30 die bisherigen Warmate- und Gladius-Drohnen?
Nein. Die Warmate 30 (Gladius 2) ergänzt das Arsenal als weitreichender Tiefenschlag-Effektor und ersetzt nicht die kleineren elektrischen Aufklärungs- und Angriffsdrohnen wie FT-5 Łoś oder Warmate 3, sondern operiert mit ihnen im Verbund.
Wie wird die Drohne ohne Satellitensignal ins Ziel geführt?
Die Drohne kombiniert vorprogrammierte Wegpunkt- und Trägheitsnavigation mit bordeigener optischer Bilderkennung und KI-Algorithmen, um Geländemerkmale abzugleichen und Hochwertziele auch unter starker elektronischer Störung zu treffen.
Welche Ziele soll die Warmate 30 primär bekämpfen?
Ihr Einsatzzweck liegt in der Zerstörung zeitkritischer Hochwertziele in der operativen Tiefe, darunter feindliche Führungsgefechtsstände, Flugabwehrradare, Artilleriestellungen, elektronische Störstationen und Munitionslager.
