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Zweijährige Verzögerung beim Schweren Waffenträger Infanterie – Ursachen, Kosten und Folgen für die Bundeswehr

Zweijährige Verzögerung beim Schweren Waffenträger Infanterie – Ursachen, Kosten und Folgen für die Bundeswehr

24. März 2026 von Anna Schröder

Der schwere Waffenträger Infanterie (SWTrg Inf) sollte als Paradebeispiel für eine schnelle, leistungsfähige Beschaffung das Rückgrat der neuen Mittleren Kräfte der Bundeswehr bilden. Statt einer zügigen Serienlieferung verzögert sich die Erprobung des Nachweismusters nun bereits seit fast zwei Jahren. Die Verzögerung wirft ein Licht auf strukturelle Integrationsprobleme, die Kosten- und Zeitplanung des Projekts sowie die strategische Entscheidung, ein bewährtes australisches System zu übernehmen.

Ursprünglicher Beschaffungsplan und aktuelle Verzögerung

Im Mai 2024 wurde das Nachweismuster des schweren Waffenträgers Infanterie von Rheinmetall Defence Australia an das BAAINBw übergeben. Der ursprüngliche Plan sah vor, dass die ersten 19 Serienfahrzeuge 2025 in die Truppe kommen und bis 2030 weitere 103 Fahrzeuge mit einer Jahresrate von 25 Stück ausgeliefert werden. Stattdessen befindet sich das Nachweismuster seit seiner Übergabe noch immer im intensiven Test- und Entwicklungszyklus.

  • Nachweisübergabe: 2. Mai 2024
  • Geplanter Serienstart: 2025 (ursprünglich)
  • Aktuelle Zielsetzung: Serienreife und Einführung ab 2026
  • Testdauer bisher: ca. 20 Monate (Stand Januar 2026)

Vizeadmiral Carsten Stawitzki betonte bei der Übergabe: „Jetzt ist die Industrie am Zuge abzuliefern und genau dafür zu sorgen, dass wir nächstes Jahr die 19 weiteren Fahrzeuge für die Truppe bekommen.“ Dennoch heißt es im BAAINBw-Statement: „Mögliche Abweichungen können so identifiziert und im Zuge eines Retrofits vor der Serienproduktion behoben werden.“

Zeitplan 2024-2026 im Überblick

Jahr Ereignis
2024 Nachweisübergabe (Mai); Germanisierung ausdrücklich ausgeschlossen
2025 Geplante Auslieferung der ersten 19 Fahrzeuge (verschoben)
H2 2025 Verfügbarkeit des Referenzmusters für BAAINBw-Tests
2026 Serienreife und Beginn der Serienproduktion; Einführung ab 2026

Technische Basis: Der GTK-Boxer und seine internationale Produktion

Der schwere Waffenträger Infanterie basiert auf dem modularen GTK-Boxer, einem 8×8-Kraftfahrzeug, das bereits über 500.000 km in allen Klimazonen getestet wurde. Der Boxer wird im Rahmen des multinationalen OCCAR-Programms von sechs Partnern – Deutschland, Niederlande, Litauen, Großbritannien, Australien und den USA – produziert. Die australische Variante, das Combat Reconnaissance Vehicle (CRV) mit Lance-Turm, ist bereits in der Land-400-Phase-2 (211 Fahrzeuge, davon 133 CRV-Varianten) im Einsatz.

  • Testkilometer des Boxers: > 500.000 km (2024)
  • OCCAR-Partner: Deutschland, Niederlande, Litauen, Großbritannien, Australien
  • Australische Produktion: Rheinmetall Defence Australia, Redbank, Queensland
  • Bewährte Einsatzszenarien: Australien nutzt 133 CRV-Fahrzeuge mit Lance-Turm erfolgreich

Major Jessica Ward von der australischen Armee äußerte sich bei der Schlüsselübergabe: „Die Boxer haben sich bereits bei unseren großen Übungen bewährt und dabei außergewöhnlich gut abgeschnitten.“ Diese positive Bewertung unterstreicht die internationale Glaubwürdigkeit des Systems.

Retrofit und Germanisierung – Warum die Integration länger dauert

Obwohl 2024 ausdrücklich keine Germanisierung des Fahrzeugs vorgesehen war, spricht das BAAINBw nun von einem notwendigen Retrofit vor Serienproduktion. Die Diskrepanz weist auf tiefere Integrationsherausforderungen hin, die über reine Konfiguration hinausgehen.

  • Software-Kompatibilität mit deutschen Führungs- und NATO -Systemen
  • Standardisierung von Munition und Funkausrüstung
  • Eventuelle Anpassungen der Panzerung und Schutzmodule für deutsche Einsatzanforderungen
  • Erfüllung nationaler Zertifizierungs- und Sicherheitsnormen

Der BAAINBw-Leiter betonte: „Zeit ist unser handlungsleitender Faktor!“ – ein Statement, das angesichts der zweijährigen Testphase kritisch zu hinterfragen ist.

Operative Vorteile gegenüber dem Wiesel-1-System

Der neue Waffenträger konsolidiert mehrere bisher getrennte Fahrzeugtypen in einer Plattform und erhöht damit Verfügbarkeit und Modularität.

  • Ersetzt zwei Wiesel-1-Varianten (Kanone, Lenkflugkörper) plus ein separates Munitionstransportfahrzeug
  • Hauptwaffe: 30-mm-Maschinenkanone MK30-2 ABM (identisch mit dem Puma)
  • Sekundärbewaffnung: FN-MAG 7,62 mm Maschinengewehr
  • Potenzielle Panzerabwehr: israelische Spike-LR-Lenkwaffe (in Entwicklung)
  • Fahrzeuge pro schwerer Kompanie: 12 Stück (2024)

Durch die Zusammenlegung von Funktionen wird die logistische Kette vereinfacht und die Feuerkraft der Infanterie deutlich erhöht.

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Kosten, Beschaffungsmenge und zukünftige Serienproduktion

  • Auftragswert inkl. Serviceleistungen: 2,7 Mrd. € (2024)
  • Gesamtbestellmenge: 123 Fahrzeuge für die Bundeswehr
  • Gesamtbedarf des Heeres: 128 Fahrzeuge (inkl. Reserve)
  • Geplante Jahresrate nach Serienstart: 25 Fahrzeuge/Jahr
  • Produktionskapazitäten: Parallel zu Lieferungen für Niederlande, Litauen, Großbritannien und Ukraine

Die Entscheidung, das System aus Australien zu beziehen, nutzt bestehende Rheinmetall-Kapazitäten und umgeht mögliche Engpässe in europäischen Werken. Gleichzeitig ermöglicht die multinationale OCCAR-Struktur eine flexible Auslieferung an weitere Partnerstaaten.

Ausblick und Fazit

Der schwere Waffenträger Infanterie bleibt ein zentrales Element der Modernisierung der Mittleren Kräfte des deutschen Heeres. Die zweijährige Erprobungsphase zeigt jedoch, dass die Integration eines bereits bewährten Systems in nationale Strukturen komplexer ist als zunächst angenommen. Die anstehenden Retrofits könnten zusätzliche Kosten und weitere Zeitverzögerungen mit sich bringen, während das Projekt gleichzeitig die strategische Flexibilität durch internationale Produktionsnetzwerke stärkt.

Entscheidend wird sein, ob die geplanten Tests bis Ende 2025 den erforderlichen Reifegrad erreichen, sodass die Serienproduktion 2026 starten kann. Nur dann kann die Bundeswehr die angestrebte Ersetzung der Wiesel-1-Varianten realisieren und die operative Schlagkraft ihrer Infanteriekompanien nachhaltig steigern.

Quellen

  • https://www.baainbw.de/presse/schwerer-waffentraeger-infanterie-modern
  • https://www.defencenetwork.de/artikel/schwerer-waffentraeger-infanterie-test
  • https://www.rheinmetall-defence.com/de/de/produkte/boxer

Anna Schröder

Anna Schröder ist erfahrene Journalistin mit einem Hintergrund in Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Sie analysiert für Defence-Tech.de politische Entscheidungen, Haushaltsentwicklungen sowie strategische Planungsprozesse westlicher Streitkräfte. Schröder hat mehrere Studien zu Verteidigungsbudgets und multinationaler Kooperation veröffentlicht und verknüpft politische Dynamiken mit technologischen Implikationen. Ihre Texte sind geprägt von klarer Struktur, fundierten Quellen und tiefem Verständnis geopolitischer Zusammenhänge.

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