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Hermeus startet Ramjet-X: kostengünstiger Mach-4-Testflieger im FTaaS-Modell

Hermeus startet Ramjet-X: kostengünstiger Mach-4-Testflieger im FTaaS-Modell

16. September 2026 von Dr. Lena Hoffmann

Das US-Startup Hermeus hat das Luftgestützte Testfahrzeug Ramjet-X vorgestellt – ein preisgünstiger, einsetzbarer Flugkörper, der im Flight-Test-as-a-Service-Modell (FTaaS) Mach-4-Flüge ermöglichen soll. Durch die Kombination aus dem wiederverwendbaren Trägerjet Quarterhorse und einer preiswerten Staustrahl-Drohne will das Unternehmen die bislang prohibitiv hohen Kosten von Hyperschall-Tests drastisch senken.

Technisches Konzept von Ramjet-X

Staustrahltriebwerke (Ramjets) besitzen keine rotierenden Verdichterstufen. Sie erzeugen erst ab hohen Überschallgeschwindigkeiten – typischerweise ab Mach 2,5 bis 3 – ausreichend Staudruck, um die Luft zu komprimieren und zu verbrennen. Hermeus umgeht die üblichen, teuren Raketenbooster, indem der Trägerjet Quarterhorse den Testkörper auf rund Mach 3 beschleunigt und dann ausklinkt. Sobald Ramjet-X getrennt ist, zündet das eigene Staustrahltriebwerk, steigt auf etwa 100.000 Fuß (ca. 30.500 m) und beschleunigt weiter bis zu Mach 4.

Zweistufiges Flugprofil und Leistungsdaten

  • Ausklink-Geschwindigkeit (Quarterhorse): ca. Mach 3 (2026)
  • Ziel-Höchstgeschwindigkeit (Ramjet-X): ca. Mach 4 im eigenständigen Staustrahlflug (2026)
  • Einsatzflughöhe für die Mach-4-Phase: ca. 100.000 Fuß bzw. rund 30.500 m (2026)

Dieses zweistufige Profil adressiert die zentrale thermodynamische Hürde von ramjet-basierten Systemen und ermöglicht wiederholbare Tests ohne Zerstörung von teuren Raketenstufen.

Quarterhorse als Trägerjet

Der unbemannte Trägerjet Quarterhorse bildet das funktionale Fundament für Ramjet-X. Die Variante Mk 2.1 absolvierte am 2. März 2026 ihren Erstflug und erreichte Mach 1,21, angetrieben von einem modifizierten Pratt & Whitney F100-PW-229, dem gleichen Triebwerk, das in der F-16 eingesetzt wird. Die Weiterentwicklung zu Mk 2.2 zielt darauf ab, bis 2027 zuverlässig Mach 3 zu erreichen – ein kritischer Meilenstein, damit Ramjet-X beim Ausklinken die notwendige Vor-Geschwindigkeit erhält.

Flight Test as a Service (FTaaS) und HyCAT-Programm

Ramjet-X ist das Kernstück von Hermeus‘ FTaaS-Geschäftsmodell. Kunden können das Fahrzeug, die Trägervarianten und die zugehörige Infrastruktur mieten, anstatt eigene Testplattformen zu entwickeln. Das System kann Payloads, Sensoren, Kommunikations- und Recheneinheiten, Autonomie-Software, Materialproben und weitere experimentelle Hardware transportieren.

Die Entwicklung wird durch das US-Verteidigungsministerium im Rahmen des HyCAT-Programms (High-Cadence Airborne Testing) unterstützt. Das DIU-Vertragsvolumen liegt bei bis zu 219 Millionen USD, wobei das Ziel darin besteht, die langen Wartezeiten für Hyperschall-Experimente zu verkürzen und standardisierte Testträger bereitzustellen.

„High-speed flight testing is extremely expensive, and you don’t get many shots at it,“ sagte Zach Shore, CEO von Hermeus. „Ramjet-X… bringing speed, sustained flight, and scalability all into one system lowers the barriers to gathering extremely valuable data from these conditions and accelerates programs for both us and our customers.“

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Risiken und Herausforderungen

  • Abhängigkeit vom Quarterhorse-Mach-3-Zeitplan: Der Träger muss bis 2027 zuverlässig Mach 3 erreichen, sonst verzögert sich der Einsatz von Ramjet-X.
  • Einweg-Philosophie: Ramjet-X wird nach dem Flug nicht geborgen. Materialproben müssen vor dem Aufprall abgeworfen oder ausschließlich über Telemetrie ausgewertet werden.

Schnellüberblick:

Warum benötigt Ramjet-X ein separates Trägerflugzeug?

Staustrahltriebwerke benötigen hohen aerodynamischen Staudruck, den sie erst ab Mach 2,5-3 erzeugen. Unterhalb dieser Geschwindigkeit können sie keinen nutzbaren Vortrieb liefern, weshalb ein Träger nötig ist, um die erforderliche Anfangsgeschwindigkeit zu erreichen.

Wie unterscheidet sich der Ansatz von klassischen Raketenversuchen?

Konventionelle Tests setzen teure Feststoff-Raketenbooster ein, die nach jedem Flug zerstört werden. Das wiederverwendbare Quarterhorse-System kehrt zur Basis zurück, wodurch die Kosten pro Test stark reduziert werden.

Quellen

  • https://www.twz.com/air/hermeus-unveils-air-launched-ramjet-test-vehicle-for-high-speed-experiments
  • https://www.flugrevue.de/militaer/highspeed-drohne-ramjet-x-hermeus-enthuellt-fluggeraet-fuer-hochgeschwindigkeitstests/
  • https://aviationweek.com/defense-space/missiles-ordnance/hermeus-unveils-air-launched-ramjet-x-test-vehicle

Dr. Lena Hoffmann

Dr. Lena Hoffmann ist seit über einem Jahrzehnt spezialisierte Journalistin im Bereich Verteidigungs- und Sicherheitstechnologie. Sie verfügt über einen Doktortitel in Internationalen Sicherheitsstudien und war zuvor Redakteurin für strategische Technologieanalysen in führenden Fachmedien. Dr. Hoffmann berichtet bei Defence-Tech.de über technologische Innovationen, strategische Programme in NATO- und EU-Kontext sowie über ethische Fragestellungen bei der Integration neuer Systeme in moderne Streitkräfte. Ihre Artikel zeichnen sich durch präzise Recherche, faktenbasierte Analyse und globale Perspektiven aus.

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