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OM Defence Systems testet Täuschdrohne Spectr in der Ukraine

OM Defence Systems testet Täuschdrohne Spectr in der Ukraine

15. August 2026 von Anna Schröder

Die britische Firma OM Defence Systems entwickelt die Täuschdrohne Spectr, um gegnerische Radarsysteme zu überlasten und die Luftverteidigung zu zwingen, teure Abfangraketen zu verschießen. Die Drohne nutzt einen 1,2 kg schweren Mikrowellen-Retroreflektor, der im Frequenzbereich von 3 bis 20 GHz arbeitet und die scheinbare Radarsignatur um das bis zu 20-fache vergrößert. Aktuell befindet sich das System im Technologiereifegrad TRL 6 und wird in Feldtests mit der ukrainischen Armee erprobt. Spectr arbeitet im Verbund mit dem Hard-Kill-Abfangdrohnensystem Kestrel und bildet damit einen mehrschichtigen Verteidigungsansatz.

Technische Leistungsparameter und Dimensionen

Auf Fachmessen wie der Eurosatory wurden detaillierte Spezifikationen veröffentlicht. Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick:

  • Maximales Abfluggewicht (MTOW): 12 kg (Leichtbauweise aus Polyvinylchlorid, 2026)
  • Spannweite: 2,69 m
  • Maximale Reichweite: 500 km bei einer Marschgeschwindigkeit von ca. 120 km/h (2026)
  • Maximale Einsatzdauer: 240 min (batteriebetriebenes Flugprofil für Sättigungsmissionen, 2026)
  • Dienstgipfelhöhe: 500 bis 5.000 m, ermöglicht Simulation von Marschflugkörpern und bemannten Kampfflugzeugen (2026)
  • Mikrowellen-Retroreflektor: 1,2 kg, arbeitet im Frequenzbereich 3-20 GHz, erzeugt einen simulierten Radarquerschnitt von 1 bis über 10 m² (2026)

Der Retroreflektor bündelt einfallende Radarwellen und sendet sie verstärkt zurück, wodurch die Drohne für feindliche Sensoren bis zu 20 mal größer erscheint.

Ökonomische Asymmetrie und Kostenfaktor der Luftverteidigung

Der Einsatz von Spectr verdeutlicht die wachsende Kostenasymmetrie moderner Luftkriege. Während moderne Abfanglenkflugkörper wie Patriot oder S-400 zwischen 1 Million und 3 Million US-Dollar pro Stück kosten, liegen die Herstellungskosten einfacher Täuschdrohnen im niedrigen fünfstelligen Bereich.

  • Kosten PAC-3/Patriot-Abfangrakete: ca. 3.000.000 USD (2026)
  • Kosten S-400-Abfangrakete: 1.000.000 bis 2.000.000 USD (2026)
  • Kosten einfacher Drohnen-Köder: niedriger fünfstelliger USD-Betrag (2026)

Durch den Einsatz eines Schwarmes preisgünstiger Täuschdrohnen können Verteidiger gezwungen werden, ihr teures Raketenmagazin zu entleeren, was nachfolgende Präzisionsschläge gefährdet.

Partner-System Kestrel und Layered Defense

Spectr ist nicht als Einzelgerät gedacht, sondern arbeitet Hand-in-Hand mit dem Hard-Kill-Abfangdrohnensystem Kestrel. Kestrel erreicht Geschwindigkeiten von über 400 km/h, nutzt thermische Sensorik und kann auch unter GNSS-gestörten Bedingungen feindliche Drohnen physisch zerstören.

  • Höchstgeschwindigkeit Kestrel Interceptor: > 400 km/h (2026)
  • Thermische Sensorik für Zielerfassung auch bei GPS-Störungen
  • Kinetische Zerstörung („Hard-Kill“) durch Rammen oder Sprengkopf

Der kombinierte Ansatz erlaubt es, zunächst die feindliche Radar- und Luftabwehr mit Spectr zu überlasten und anschließend Kestrel zum gezielten Abschuss der eigentlichen Bedrohung einzusetzen.

Funktionsweise des Mikrowellen-Retroreflektors

„Der etwa 1,2 kg schwere Winkelreflektor bündelt und reflektiert eintreffende Radarstrahlen im Bereich von 3 bis 20 GHz direkt zur Quelle zurück. Dadurch erzeugt die Drohne eine Radarrückstrahlung von 1 bis über 10 m², was der Signatur eines echten Kampfflugzeugs oder Marschflugkörpers entspricht.“ – FAQ von OM Defence Systems

Der Retroreflektor ist in das Luftfahrzeug integriert und arbeitet passiv: Er benötigt keine eigene Energiequelle für die Radarreflexion, sondern nutzt die einfallende Radarenergie.

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Risiken und Gegenmaßnahmen

Moderne AESA-Radare und Multisensorsysteme können dank Mikrodöppler-Analyse und Infrarotsignaturen leichte Propellerdrohnen von echten Flugzeugen unterscheiden. Zudem ist die GPS-Navigation anfällig für elektronische Kriegsführung (Spoofing/Jamming). Diese Schwächen könnten die Wirksamkeit von Spectr mindern, solange keine zusätzlichen optischen oder trägheitsbasierten Navigationssysteme integriert werden.

Schnellüberblick:

Wie funktioniert der Mikrowellen-Retroreflektor der Spectr genau?

Der Retroreflektor bündelt und reflektiert Radarwellen im Frequenzbereich 3-20 GHz zurück zur Quelle, wodurch ein verstärktes Radar-Echo von 1-10 m² entsteht, das die Drohne wie ein großes Flugobjekt erscheinen lässt.

Welche Rolle spielt die Erprobung in der Ukraine?

Die Feldtests unter realen Gefechtsbedingungen unterstützen den Übergang von TRL 6 zu TRL 7, indem sie die Leistungsfähigkeit gegen echte russische Radare und Störsender verifizieren.

Was bedeutet der Begriff ‚Hard-Kill‘ beim Partnersystem Kestrel?

‚Hard-Kill‘ bezeichnet die physische Zerstörung eines Ziels – Kestrel rammt oder zündet einen Sprengkopf gegen anfliegende feindliche Drohnen mit mehr als 400 km/h.

Quellen

  • https://defence-blog.com/om-defence-systems-develops-drone-with-hidden-microwave-reflector/
  • https://ua.news/en/ukraine/ukrayina-prezentuvala-novitnyu-falsh-systemu-spectr
  • https://omdefencesystems.com/kestrel

Anna Schröder

Anna Schröder ist erfahrene Journalistin mit einem Hintergrund in Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Sie analysiert für Defence-Tech.de politische Entscheidungen, Haushaltsentwicklungen sowie strategische Planungsprozesse westlicher Streitkräfte. Schröder hat mehrere Studien zu Verteidigungsbudgets und multinationaler Kooperation veröffentlicht und verknüpft politische Dynamiken mit technologischen Implikationen. Ihre Texte sind geprägt von klarer Struktur, fundierten Quellen und tiefem Verständnis geopolitischer Zusammenhänge.

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